
Bayer steigt in Radiodiagnostik zur Herz-Amyloidose ein
Bayer steigt bei diagnostischen Radiotracern für die molekulare Bildgebung ein und übernimmt dazu von dem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen Attralus zwei diagnostische Radiotracer zur Erkennung der kardialen Amyloidose. Mit dem PET- und SPECT-Tracer steigt der Konzern erstmals gezielt in die Entwicklung krankheitsspezifischer Bildgebungsmarker ein.
Die Bayer AG erweitert ihr Engagement in der molekularen Bildgebung und übernimmt von der US-amerikanischen Attralus zwei diagnostische Radiotracer zur Erkennung der kardialen Amyloidose. Der Schritt markiert eine strategische Erweiterung des bislang vor allem auf Kontrastmittel, Injektionssysteme und IT-Lösungen fokussierten Radiologiegeschäfts von Bayer. Nun steigt der Konzern erstmals gezielt in die Entwicklung krankheitsspezifischer Bildgebungsmarker ein. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt.
Zugleich positioniert sich Bayer in einem Bereich, der angesichts neuer Therapien und wachsender Radiopharma-Aktivitäten branchenweit an Bedeutung gewinnt.
Zwei Tracer, unterschiedliche Stärken
Im Zentrum der Akquisition steht der pan-amyloide PET-Tracer AT-01 (124-Iod-evuzamitide), der sich in einer Phase III-Studie zur Diagnose der kardialen Amyloidose befindet. AT-01 ist der erste diagnostische Bildgebungstracer mit FDA-Breakthrough-Therapy-Status für diese Indikation und besitzt zudem Orphan-Drug-Status in den USA und der EU.
Ergänzt wird das Portfolio durch AT-05, einen SPECT-Tracer in Phase I. Während PET (Positronen-Emissionstomografie) eine hohe Sensitivität bietet, ist die SPECT-Technologie (Einzelphotonen-Emissionstomografie) weltweit breiter verfügbar – ein Vorteil für den klinischen Alltag und den Zugang zur Diagnostik.
Diagnostik als Schlüssel der Präzisionskardiologie
Die kardiale Amyloidose gilt als stark unterdiagnostiziert. Gleichzeitig wächst das therapeutische Angebot, auch bei Bayer selbst: Mit Beyonttra™ (Acoramidis) verfügt der Konzern über eine Therapie zur Behandlung der Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM). Die präzise und frühe Diagnostik wird damit zunehmend zum Nadelöhr, das für den Therapieerfolg erst erfolgreich passiert werden muss.
Die Akquisition der Tracer ist daher auch als Ergänzung der eigenen kardiologischen Pipeline zu verstehen, im Sinne einer engeren Verzahnung von Diagnose und Behandlung.
Strategischer Schritt in einem dynamischen Umfeld
Bayer verfügt über eine lange Tradition in der Radiologie, bislang jedoch ohne eigene diagnostische Tracer. Mit dem Einstieg in die molekulare Bildgebung folgt der Konzern einem Branchentrend, bei dem Diagnostik und Radiopharmazeutika enger zusammenrücken, auch bekannt unter dem Kunstwort Theranostics. Während große Pharma-Wettbewerber sich vor allem therapeutische Radiopharmazeutika konzentrieren, setzt Bayer zunächst auf die diagnostische Seite.
Das viel kleinere Biotech-Unternehmen Pentixapharm hat aus den Gründen der Finanzierbarkeit der unterschiedlichen Entwicklungsfelder ebenfalls diese Reihenfolge eingeschlagen: zuerst die diagnostische Validierung und Zulassung erreichen, dann das Therapeutikum nachziehen.
Für Attralus bedeutet der Deal eine klare Fokussierung auf die therapeutische Entwicklung: Das Unternehmen treibt nun sein pan-amyloides Therapeutikum AT-02 (Phase II) sowie weitere präklinische Kandidaten weiter voran. Unterm Strich ist die Akquisition ein vergleichsweise leiser, strategisch aber bedeutsamer Schritt: Bayer öffnet sich einem neuen Segment der molekularen Bildgebung und stärkt zugleich seine Position in der Präzisionskardiologie.


geralt via Pixabay
Bayer
ROTOP Pharmaka GmbH/Markus Hartelt